Züchtersuche

Das Problem: Züchtersuche

Die Entscheidung in der Familie ist gefallen: Wir wollen zwei Katzen haben! Auch wurde darüber nachgedacht, ob es Katzen aus dem Tierheim / Tierschutz oder Rassetiere vom Züchter sein sollen. Fällt die Wahl auf Rassetiere vom Züchter, dann beginnt der aufwendige Teil der Aktion, die Züchtersuche. Denn Züchter ist eben nicht gleich Züchter. Auch unter den Züchtern gibt es “schwarze Schafe”. Oder auch Vermehrer, die keine Kenntnisse von der Genetik, den Krankheiten und der Aufzucht der Katzen haben und “einfach mal so” Babys haben wollen, oder welche, die ihre Tiere unter erbärmlichsten Umständen halten, schlimmstenfalls in Käfigen im Keller. Gute Züchter zu erkennen und zu finden ist sicher auf den ersten Blick nicht leicht, denn eine Mitgliedschaft in einem registrierten Katzenverein ist noch längst kein Garantieschein dafür, dass die Zucht ethisch und moralisch sauber ist und die Katzen dort bestmöglichst und artgerecht gehalten werden.

Zuchtersuche - Heilige Birma
Heilige Birma in der Farbe blue-tabby-point – „Ronja von der weißen Fee“

Worauf ist also zu achten bzw. was sieht auch ein Laie?
Zehn Tipps zur Züchtersuche:

  1. Ein guter Züchter gibt gern und ausführlich Auskunft über seine Zucht, die Rasse und die evtl. vorhandenen Kitten. Auch freut er sich, Interessenten in seinem zu Hause begrüßen zu dürfen, auch wenn kein konkretes Kaufinteresse besteht, weil man sich z. B. erst einmal die Rasse “live” anschauen möchten.

  2. Beim Besuch bei dem Züchter solltest du immer dann misstrauisch werden, wenn das Wohnzimmer keinerlei „Gebrauchsspuren“ von Katzen aufweist. Soll heißen, dort befindet sich kein Kratzbaum, kein Schlafkörbchen, nirgendwo sind Katzenhaare zu finden, auch kein Katzenspielzeug ist zu sehen und nirgendwo sind Kratzspuren. Verhalten sich die Katzen dann noch seltsam, indem die Möbel sie mehr interessieren als die Menschen oder sie vielleicht sogar ängstlich bei Geräuschen reagieren und sich verkriechen? All das ist sind Hinweise, dass das Wohnzimmer nicht der Ort ist, an dem sie sonst leben – wohl eher ist das Wohnzimmer der “Schauraum” für potentielle Katzenkäufer. Hier solltest du dir die Frage stellen: Wo leben die Katzen des Züchters!

  3. Auch solltest du nicht nur das Katzenkind zu Gesicht bekommen, welches du evtl. adoptieren möchtest. Sind hingegen alle Geschwister zu sehen, die Mutter und – wenn vorhanden – auch noch der Vater, und toben und spielen die Kätzchen (wenn sie nicht gerade ihre Schlafzeit haben) ausgelassen herum, dann kannst du davon ausgehen, dass dieser Raum wirklich der Lebensmittelpunkt der Tiere ist.

  4. Natürlich ist ein Besuch beim Züchter kein Besichtigungstermin für sein gesamtes zu Hause. Der Züchter hat trotz allem seine Privatsphäre und muss sein Heim nicht als “Museum” zur Verfügung stellen. Trotzdem darfst du höflich fragen, wo denn die Katzen überall sind. Und beim genauen Beobachten wird einem dann auffallen, ob ehrlich Auskunft gegeben wird. Denn Katzen sind Wesen mit eigenem Willen. Ihnen kann man nicht antrainieren, sich während der Anwesenheit von Besuchern anders zu verhalten als sonst.

  5. Wie viele Katzen in einem Züchterhaushalt sind “normal” und wo hört eine Hobbyzucht auf und fängt eine Massentierhaltung an? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Manch einem wird schon graus, wenn er mehr als fünf Katzen sieht. Dann ist es meist unumgänglich und eher ein positives Zeichen, wenn Kastraten vertreten sind. (Zumindest bei Zuchten, die schon einige Jahre bestehen – neue Züchter haben kaum Kastraten) Natürlich ist es schwer für einen Laien im Züchterhaushalt den Überblick zu behalten, wenn aus jeder Tür eine Katze gelaufen kommt, die vielleicht alle die gleiche Farben haben und für Fremde nur schwer auseinander zu halten sind. Du kannst den Züchter fragen, wie viele Katze hier leben. Wer zehn Katzen hat, muss noch lange kein Massenvermehrer sein. Und auch nur drei Katzen sind keine Garantie, dass es den Tieren gut geht und sie nicht als Brutmaschinen missbraucht werden. Ein Hobbyzüchter sollte nicht mehr als zwei verschiedene Rassen haben. Dort, wo mehr als zehn Zuchtkätzinnen einer Rasse vertreten sind, solltest du aber vorsichtig sein.

  6. Fragen kannst du auch, wie viele Würfe eine Katze im Jahr bei dem Züchter bekommt. Mehr als zwei Würfe sollten es auf keinen Fall sein, besser ist nur ein Wurf je Katze und Jahr. Wer nichts zu verbergen hat, bei dem kann man auf der Homepage oder zu Hause im Fotoalbum die Antwort auch nachvollziehen. Diese Zeit sollte man sich vor dem Kauf unbedingt nehmen!

  7. Am allerwichtigsten ist aber die Art und Weise der Katzenhaltung im Züchterhaushalt. Die Katzen – und hier auch schon die Babys – brauchen sowohl den Kontakt zum Menschen als auch zu den Artgenossen, um gut sozialisiert zu sein. Kommt das Kätzchen also vertraulich angelaufen und schnurrt um die Beine, lässt es sich vielleicht sogar auf den Armen zu einem Schläfchen “herab”, ist es neugierig und reagiert auf Spielversuche, die von dem Gast ausgehen. Dann kannst du davon ausgehen, dass es eine gute Sozialisierungsphase hinter sich hat. Ist es dagegen extrem ängstlich, duckt es sich vor der Hand beim Versuch gestreichelt zu werden, kennt es weder Katzenwedel noch Papierkügelchen, dann solltest du eine gewisse Vorsicht walten lassen. Manche Katzenbabys sind ängstlicher als andere. Kommen die Kätzchen aber auch nach einer Stunde und länger immer noch nicht aus ihren Verstecken, deutet das auf fehlende Sozialisierung hin. Schauen sollst du auch auf die hygienischen Zustände im Züchterhaushalt, vielleicht kannst du auch einen Blick ins Katzenklo erhaschen, dieses sollte nicht vor Klumpen und Kot überquellen. Sehen die Katzen sauber und gepflegt aus, haben sie glänzendes Fell, und ganz wichtig: sind die Augen und Ohren und auch der Po sauber.

  8. Und – ein seriöser Züchter wird seine Kitten niemals ungeimpft und ohne Entwurmung abgeben. Auch bekommst du dort ein Kitten niemals vor der 12. Woche, besser sind 14 bis 16 Wochen. Der Impfpass – soweit beim ersten Besuch schon vorhanden (das Kitten muss dabei mindestens 8 Wochen sein) – wird gern gezeigt. Auch kann der Züchter die Gesundheitstests der Elterntiere belegen und dem Käufer zur Einsicht zeigen. Jedes Baby erhält beim Auszug einen ordnungsgemäßen Kaufvertrag, eine Futter- und Haltungsempfehlung sowie ein Gesundheitszeugnis.

  9. Ein seriöser Züchter bietet dem Interessenten nie die Wahl zwischen Kitten mit und ohne Papiere ab! Dort bekommt man nur Babys mit Papieren.

  10. Immer wieder ist zu hören, dass die Bezeichnung “Hobbyzucht” zu Verwirrungen und falschen Vorstellungen bei Kittenkäufern führt. Kaufen darf man beim Hobbyzüchter und auch bei einer gewerbsmäßigen Zucht. Hier eine kurze Erläuterung:

Schwarzzucht

Eine allgemein gültige Definition hierfür gibt es nicht. In der Regel versteht man unter Schwarzzucht Züchter, die in keinem Verein organisiert sind und sich somit weder einer vereinsmäßigen noch tierärztlichen Kontrolle unterwerfen, Tiere häufig ohne Kenntnisse von Genetik, Vererbung, Schwangerschaft und Geburt verpaaren. Häufig werden die Tiere viel zu früh und ohne ausreichenden oder gar keinen Impfschutz und nicht entwurmt abgegeben. Die Verpaarungen der Tiere werden nach eigenem Ermessen festgelegt, oft in viel zu kurzen Abständen oder rasseübergreifend. Auch werden mitunter Rassen verpaart, deren Verpaarung in seriösen Zuchtvereinen verboten ist (zum Beispiel Scotish Fold mal Scotish Fold). Ahnennachweise (Papiere) für die Kitten fehlen und der Preis eines solchen Babys erscheint auf den ersten Blick wesentlich günstiger als der eines seriösen Hobbyzüchters (Babys aus Schwarzuchten kosten mittlerweile auch bis zu 550 Euro!!!). Auch Massenzuchten in verbotenen Käfighaltungen unter unwürdigsten Zuständen gehört zur Definition “Schwarzzucht”.

Hobbyzucht

Hobbyzucht nennt sich eine Zucht, die im kleinen Rahmen züchtet und in einem anerkannten Rassekatzenverein oder unter einem Dachverband (WCF, TICA, FIFE) Mitglied ist. Ein Hobbyzüchter unterwirft sich damit freiwillig einer Kontrolle durch den Verein sowie einer tierärztlichen Kontrolle der Zuchttiere. Er darf seine Zucht “vereinsregistriert und tierärztlich überwacht” nennen. Ein Hobbyzüchter handelt nach der Zuchtsatzung seines Vereines. In dieser wird ihm vorgeschrieben, in welchem Alter / Abstand die Tiere eine vorgeschriebene Maximalanzahl an Würfen gebären bzw. zeugen können. Meist dürfen Kätzinnen nicht mehr als 3 Würfe innerhalb von 24 Monaten aufziehen und Deckkater nicht mehr als ein Mädchen innerhalb von 3 Wochen eindecken. Auch das Mindestalter für die Mutterschaft ist klar definiert.

Ein seriöser Verein wird dem Züchter nie auferlegen, kranke oder behinderte Tiere oder Welpen töten zu müssen. Tierschutz hat bei einem seriösen Hobbzüchter und dessen Verein oberste Priorität. Ein Hobbyzüchter darf seine Jungtiere nicht vor der vollendeten 12. Woche von seiner Mutter trennen, er muss die Babys zweifach geimpft und entwurmt abgeben. Babys ohne Stammbaum gibt es hier nicht.

Gewerbsmäßige Zucht

Eine Zucht mit mehr als 5 Zuchtkatzen und mehr als 5 Würfen im Jahr muss als gewerblich angemeldet werden. Zuchtkatzen sind fortpflanzungsfähige Tiere. Kastraten, Kater mit Suprelorin-Chip und nicht geschlechtsreife Jungtiere sind hiervon ausgenommen. Es ist unrelevant, ob mit der Zucht Gewinn erzielt wird.

Züchtersuche - BKH-Kitten
Britisch Kurzhaar Baby in blue mit 12 Wochen – „Aslan von der weißen Fee“

Wenn man so vorbereitet seinen Züchter sucht, dann hat man zumindest einiges dafür getan, einen seriösen Züchter zu begegnen und ein gesundes und sozialisiertes Kitten zu bekommen. Dann wird die Züchtersuche nicht zum Alptraum, sondern zur spannenden Entdeckungsreise. Wundern solltet ihr euch nicht, wenn der Züchter euch als die Adoptiveltern gern einmal besuchen kommen möchte. Einem guten Züchter ist es nicht egal, wohin die Kitten gehen, und er gibt jedesmal ein Stück von sich selbst dem Kitten mit auf dem Weg. Deshalb möchte er gern wissen, wo seine Schützlinge leben werden. Denn es gibt sie wirklich noch – die

Züchter mit Liebe und gaaaaaanz viel Herzblut!